Generative KI, GEO, Agentic Commerce – die Begriffe sind überall. In Fachartikeln, auf LinkedIn, in Kundenmeetings. Viel Lärm, wenig Klarheit.
Was steckt wirklich dahinter? Und was muss man konkret tun? Nicht irgendwann, sondern in den nächsten Wochen und Monaten?
Das schauen wir uns in diesem Artikel an. Ohne Buzzwords, ohne Panikmache, aber mit einer klaren Botschaft: Das Zeitfenster ist offen. Wer jetzt versteht, ist im Vorteil.
Es geht nicht mehr nur um Werbung.
Wer den Artikel als reines Advertising-Update liest, greift zu kurz. Was sich gerade verändert, betrifft Ihre gesamte digitale Präsenz: Wie eine Website aufgebaut ist. Was über eine Marke geschrieben steht. Wie vollständig Produktdaten sind. Wie konsistent der Auftrtitt nach aussen ist.
Advertising in KI-Systemen ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Basis darunter ist das, was jetzt gebaut werden muss.
Lange war die Welt des digitalen Marketings einfach: Nutzer suchen auf Google, klicken auf ein Ergebnis, landen auf Ihrer Website. Das Verhalten verändert sich gerade.
Immer mehr Nutzer gehen nicht mehr über die Google Suche, sondern stellen ihre Fragen direkt in KI-Systemen wie ChatGPT, Google AI Overviews oder Perplexity. Die KI antwortet vollständig, in ganzen Sätzen, mit konkreten Empfehlungen. Ob jemand überhaupt noch auf eine Website klickt, wird zunehmend zur Nebensache. Ein grosser Teil der Entscheidung fällt bereits in der Antwort selbst.
Was das in der Praxis bedeutet, zeigen erste Zahlen von Adobe Digital Insights (Januar 2026): Nutzer, die über KI-Systeme auf einen Shop geleitet werden, kaufen 31 % häufiger und generieren 254 % mehr Umsatz pro Besuch als klassische Suchmaschinenbesucher.
Ein Teammitglied erzählt: Weihnachtsgeschenke mit KI - läuft.
Was das für Sie bedeutet: Ich habe kein einziges Mal auf Google gesucht. Kein Shop hat mich über eine Anzeige erreicht. Wer in der KI-Antwort nicht vorkam, existierte für mich schlicht nicht mehr.
Agentic Commerce: Die nächste Stufe
Laut ARK Invest (Big Ideas 2025) könnten bis 2030 rund 25 % aller E-Commerce-Transaktionen über KI-gestützte Systeme erfolgen. Auch im B2B-Commerce verschiebt sich der Einkauf zunehmend in digitale, automatisierte Kanäle. Gartner zufolge bevorzugen bereits heute bis zu 75 % der Käufer eine verkäuferfreie, digitale Beschaffung.
In der Praxis heisst das: KI-Agenten vergeben keine zweiten Chancen. Wer unvollständige Produktdaten, veraltete Preise oder fehlende Informationen hat, wird übergangen. Ohne Vorwarnung, ohne Erklärung.
Der Markt entwickelt sich schnell und nicht alle Plattformen spielen dieselbe Rolle. Ein Überblick über den aktuellen Stand für Schweizer Advertiser:
| Plattform | Status | Relevant für CH ab |
|---|---|---|
| Google AI Overviews (organisch) | Live in CH seit März 2025 – KI-Antworten ohne Werbung | Jetzt |
| Ads in AI Overviews (bezahlt) | Noch nicht in CH – nur in 12 englischsprachigen Märkten (USA, AU, CA, IN u.a.) | Erwartet 2026/27 |
| Google AI Mode (organisch) | Live in CH seit Oktober 2025 – Ads darin noch in US-Testphase | Ads erwartet 2026/27 |
| AI Max (Kampagnen-Feature) | Weltweit in Beta – auch in CH. Heute schon aktivierbar für maximale Reichweite in AI-Erfahrungen. | Jetzt |
| Perplexity Ads | Werbemodell Feb. 2026 eingestellt – kein Ad-Kanal | Kein Kanal |
| ChatGPT (OpenAI) | Ad-Test seit Feb. 2026 – nur US Free-/Go-Tier. Kein Self-Service, kein CH-Zugang. | Frühestens 2027 |
| Claude (Anthropic) | Ad-frei – Anthropic hat sich Feb. 2026 explizit und dauerhaft gegen Werbung positioniert. | Kein Kanal |
| Meta AI | KI-gestützte Ads in FB/IG bereits live. Meta AI als Chat-Interface: noch keine direkten Ads, aber Targeting läuft im Hintergrund. | 2026/27 |
| Google Gemini (App) | Keine Ads aktuell – separater Kanal zu AI Mode, aber gleiche Engine. Strategisch auf dem Radar. | Unklar / 2026+ |
Das Grundprinzip von Online-Werbung war lange dasselbe: Eine Anzeige erscheint neben dem Inhalt. In LLMs ist das vorbei. Anzeigen sind nicht mehr klar als Unterbrechung sichtbar, sie werden Teil der Antwort.
- Sponsored Answers: Eine Marke erscheint als klar gekennzeichnete Empfehlung am Ende einer KI-Antwort – nicht als Banner, sondern als kontextueller Hinweis. Nutzer können direkt im Chat Fragen stellen. Die Interaktion mit der Marke beginnt innerhalb der KI.
- Sponsored Citations: Bezahlte Quellenangaben in KI-Antworten. Ihre Website oder Ihr Produkt wird als Referenz eingebunden – für Nutzer kaum von organischen Quellen zu unterscheiden.
- Contextual Product Recommendations: KI erkennt Kaufabsicht im Gesprächsverlauf und blendet passgenaue Produkte ein – basierend auf dem Gesprächskontext, nicht auf einem einzelnen Keyword.
- Agentic Listings: Über Googles Universal Commerce Protocol können Produkt-Feeds direkt in KI-Systeme eingespeist werden. KI-Agenten greifen darauf zu und schliessen Transaktionen ab – ohne dass der Nutzer je eine Website besucht.
Der entscheidende Unterschied zwischen klassischen Ads und LLM-Ads
Viele unserer Kunden betreiben bereits gut funktionierende SEA- und PMax-Kampagnen. Das ist eine gute Ausgangsposition. Aber: Die neuen Platzierungen, die gerade entstehen – AI Overviews, AI Mode – sind mit klassischen Search-Kampagnen nicht erreichbar.
Es bedarf PMax-, AI Max- oder Broad-Match-Kampagnen um in AI Overviews ausgespielt zu werden, unabhängig davon, wie gut klassische SEA-Kampagnen performen. Da der Anteil von AI Overviews in den Suchergebnissen kontinuierlich wächst, wird dieser Ausschluss immer teurer.
AI Max ist kein Schalter, es ist ein System
Googles KI versteht Ihre Marke über das gesamte digitale Erscheinungsbild: Website, Merchant Center Feed, strukturierte Daten, externe Erwähnungen. Die Kampagne ist das letzte Glied in der Kette, nicht das erste.
1 Ihre Website
KI-Systeme lesen Seiten anders als Menschen. Sie zerlegen Inhalte in einzelne Abschnitte und bewerten jeden für sich. Jeder Abschnitt muss als eigenständige Antwort funktionieren. Das bedeutet: klare Struktur, direkte Antworten in den ersten Sätzen, FAQ-Sektionen, regelmässig aktualisierte Inhalte. Eine Seite kann für Menschen gut lesbar sein und trotzdem für KI schwer verständlich. An diesen Punkten zeigt sich, wo der grösste Hebel liegt.
2 Ihr Produkt- oder Leistungs-Feed
Fehlende Felder im Product Feed führen direkt zu KI-Blindspots, zu Momenten, wo Ihre Produkte hätten empfohlen werden können, aber nicht erscheinen, weil die Daten fehlen oder unvollständig sind. Vollständige Beschreibungen, aktuelle Preise, korrekte Verfügbarkeiten: Das sind die technischen Voraussetzungen, damit Ihre Produkte in KI-Systemen überhaupt auftauchen können.
3 Ihre Aussenwahrnehmung
KI-Systeme lernen aus allem, was über Ihre Marke im Netz steht: Kundenbewertungen, Medienberichte, Branchenverzeichnisse, Fachportale. Mehrere unabhängige, konsistente Quellen sind ein Signal für Vertrauenswürdigkeit und beeinflussen direkt, ob und wie eine KI Ihre Marke empfiehlt.
Und Gemini? Separat, aber dieselbe Logik.
Wer die Grundlagen heute richtig legt, ist automatisch auch in Gemini besser positioniert. Die Werbemöglichkeiten folgen, aber wer jetzt die Grundlagen legt, ist bereit wenn es soweit ist.
SEO und GEO: kein Entweder-oder
Sie schalten eine digitale Anzeige in einem KI-System und wissen am Monatsende nicht, wie viele Menschen sie gesehen haben, ob jemand danach gehandelt hat, und ob es an der Anzeige oder etwas anderem lag. Anders als bei klassischen Medien oder Aussenwerbung, wo Reichweite und Kontaktchancen zumindest annähernd gemessen werden können, fehlen bei LLM-Ads heute selbst einige Grundlagen noch.
Sie können nicht gezielt auf AI Overview-Platzierungen bieten, den Konversationskontext separat messen oder einzelne KI-Impressionen mit Abschlüssen verbinden. Die Tools werden kommen, aktuell sind sie aber noch nicht verfügbar.
Was Sie stattdessen messen, heute schon
Die klassische Logik «Ich investiere CHF X und messe genau, was zurückkommt» funktioniert hier noch nicht. Wer heute in LLM-Sichtbarkeit investiert, braucht andere Massstäbe:
- Markenbekanntheit und Anteil an KI-Antworten im eigenen Themenfeld
- Qualität der eintreffenden Anfragen, nicht nur deren Menge
- Anteil KI-generierter Website-Besuche (bereits heute über Referrer-Analyse messbar)
Das ist kein Rückschritt. Es ist die Rückkehr zu einem Denken, das im Performance-Marketing verloren gegangen ist: Investitionen in Sichtbarkeit, die sich mittelfristig rechnen.
GEO und LLM-Advertising sind kein Thema nur für Online-Shops. Die Verschiebung betrifft jede Branche, in der Kaufentscheidungen durch Recherche vorbereitet werden. Einige Beispiele:
| Branche | Was jetzt auf dem Spiel steht |
|---|---|
| Automobil | «Welches Familienauto hat den besten Kofferraum unter CHF 60’000?» Wer in der KI-Antwort nicht erscheint, wird in der Vorauswahl des Käufers nicht berücksichtigt. Laut Salesforce zeigt sich, dass KI die Kaufentscheidungen zunehmend beeinflusst und personalisierte Empfehlungen immer stärker zur Conversion beitragen. |
| E-Commerce | KI-Agenten kaufen bald selbstständig ein. Wer saubere Produktdaten, vollständige Feeds und gute Strukturierung hat, wird empfohlen. Wer das nicht hat, wird übersprungen, ohne dass ein Mensch es merkt. |
| B2B & Dienstleistung | Einkäufer und Entscheider nutzen zunehmend KI für Marktrecherchen und wer in den Antworten erscheint, prägt die Vorauswahl entscheidend. Im B2B-Umfeld zeigt sich dieser Wandel besonders deutlich: Laut Gartner bevorzugen bereits heute bis zu 75 % der Käufer eine verkäuferfreie, digitale Beschaffung, bei der Anbieter früh im Entscheidungsprozess sichtbar sein müssen. |
| Tourismus & Freizeit | «Wo übernachte ich in Graubünden mit Kindern und Hund?» Die KI gibt eine Antwort, keine Liste. Wer nicht in dieser Antwort ist, verliert die Buchung, bevor der Nutzer je auf einer Buchungsplattform war. |
Ein Teammitglied erzählt: Neues Auto, ein Hund, neue Methode.
Die Fahrzeuge, die die KI mir nennt, landen direkt in meiner engeren Auswahl. Nicht weil ich eine Anzeige gesehen habe, sondern weil sie in der Antwort vorkamen. Welche Marke bei meiner Frage nicht erwähnt wird, hat die Chance auf diesen Kauf verloren. Und das alles bevor ich eine Anzeige sehe oder einen Showroom betrete.
Marken, die jetzt beginnen, ihre Inhalte zu strukturieren, ihre Daten zu pflegen, ihre Aussenwahrnehmung aufzubauen, werden morgen als vertrauenswürdige Quelle empfohlen. Die anderen werden in vielen Fällen übergangen.
Google, Microsoft und OpenAI investieren massiv in ihre KI-Systeme und das schafft echte Chancen für Werbetreibende. Gleichzeitig entwickeln diese Plattformen ihre Systeme primär im eigenen Interesse weiter. Die kommunizierten Uplifts und Empfehlungen sind Durchschnittswerte über Millionen von Kampagnen: Was für eine Branche funktioniert, ist für eine andere noch nicht ausgereift. Was bei grossem Budget Sinn macht, ist bei kleinem Budget vielleicht verfrüht.
Viele unserer Kunden haben bereits gut aufgestellte Kampagnen – das ist eine starke Ausgangslage. Unser Job ist es nicht, alles umzukrempeln, sondern gemeinsam zu verstehen, wo der echte Handlungsbedarf liegt, welche Schritte sich jetzt lohnen und welche noch warten können.
Wir stehen zwischen Ihnen und den Werbesystemen, nicht um diese zu hinterfragen, sondern um das Beste für Sie herauszuholen. Wir kennen die Systeme, wir kennen Ihre Ziele. Und wir arbeiten daran, beides in Einklang zu bringen.
Nicht alle Experten ziehen dieselben Schlüsse, und das ist gut so. Ein aktueller Fachbeitrag (brand eins, 04/2026) erinnert daran, dass der Zeithorizont für vollständig agentisches Einkaufen realistisch länger sein dürfte als viele Prognosen versprechen, und dass plattformgebundene Systeme Abhängigkeiten schaffen, die man nicht unterschätzen sollte.
Das ist ein berechtigter Hinweis. Deshalb unterscheiden wir klar zwischen dem, was jetzt sinnvoll ist, und dem, was noch Zeit hat. GEO, AI Max und strukturierte Inhalte stärken Ihre Sichtbarkeit, ohne Sie in ein System einzusperren. Wo schnelles Handeln Sinn macht, sagen wir das. Wo Zurückhaltung die klügere Wahl ist, sagen wir das genauso. Genau darin liegt unsere Rolle.
Sie müssen nicht alles auf einmal angehen. Aber Sie sollten wissen, wo Sie stehen. Hier die fünf Schritte, mit denen Sie heute starten können:
- GEO-Audit der wichtigsten Seiten – Wie liest eine KI Ihre Website? Welche Inhalte fehlen oder sind unklar strukturiert?
- Monitoring aufsetzen – Share of Voice in KI-Antworten messen, KI-generierten Traffic tracken, Ausgangslage dokumentieren.
- Bestehendes Paid-Setup auf KI-Readiness prüfen – Welche Kampagnen sind für AI Max bereit? Wo fehlen noch Voraussetzungen?
- AI Max dort aktivieren und testen, wo es sinnvoll ist – Nicht pauschal, sondern gezielt und abgestimmt auf Branche, Budget und Kampagnenstruktur.
- Produkt- und Leistungs-Feed auf Vollständigkeit analysieren – Welche Felder fehlen? Welche Daten sind veraltet?
Möchten Sie wissen, ob Ihre Website und Kampagnen bereits für KI-Systeme bereit sind und wo konkret Handlungsbedarf besteht? In einem kurzen Austausch zeigen wir Ihnen, welche nächsten Schritte für Ihre Situation sinnvoll sind.
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